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Objekt des Monats Dezember
Pfahldorf

Es wäre eine Nachlässigkeit, im Jahr des Jubiläums 1200 Jahre erste Nennung von Pfahldorf hierüber keinen Beitrag zu verfassen. Ich möchte dieser Aufgabe gerne nachkommen und mich mit der Kirche beschäftigen, genau gesagt mit dem Kirchturm. Dr. Elmar Ettle hat in seiner Pfahldorf Chronik den bedeutenden Eichstätter Historiker Felix Mader zitiert, der zu diesem nur eine Aussage macht: „Der Turm ist eine mittelalterliche Anlage“. Hinter dieser steht seine große Erfahrung, hat er doch hunderte von Kirchen besucht und beschrieben. Auch wenn es zur mittelalterlichen Baugeschichte der Pfahldorfer Kirche keine Aufzeichnungen gibt, so kann man sich dem eindrucksvollen Baudenkmal anhand einiger Indizien nähern. Betrachtet man zunächst das Jubiläumsdatum 820, so liegt dieses kurz nach dem Todesjahr Karls des Großen im Jahr 814. Ende des 8ten Jahrhunderts war er einige Zeit in Regensburg. Historiker gehen davon aus, dass in seiner Regensburger Zeit, und auf sein Betreiben hin eine intensive Binnenkolonisation stattgefunden hat also zahlreiche Rodungssiedlungen auf der Hochfläche neu angelegt wurden. Ein heute noch erkennbares Indiz hierfür könnten die vielen Ortschaften mit dem Grundwort -dorf darstellen, zu denen Pfahldorf zählt. Im Tal wurden noch wenige Siedlungslücken gefüllt, zu denen Grösdorf, Pfraundorf oder Mettendorf zählen.Nun muss man sich ein damaliges Dorf noch ganz anders vorstellen, wie im Spätmittelalter. Die Häuser waren aus Holz in Fachwerktechnik errichtet und schilfgedeckt. Im Umfeld fand sich ein Weiher. Eine Kirche im Dorf mit dem umge-benden Friedhof gab es nicht; Diese befanden sich meist in einem Abstand von 400 Metern und mehr vom Dorf entfernt. Diese Verhältnisse blieben lange so bis, bis im 11.Jh. erste kleine Saalkirchen mit Apsiden gebaut wurden, aber längst nicht überall. Größere Steinkirchen errichtete man in der Zeit ab 1100. Franz Heidingsfelder, ein bedeutender Eichstätter Historiker beschrieb diese Zeit mit den Worten: „dass die nun allgemein in Stein ausgeführten Kirchen mit ihren stattlichen Türmen einen wehrhaften Zug in die Landschaft brachten.“Was bedeutete dies für Pfahldorf? In eben dieser Zeit, in Frage kommt das 12.te oder 13.te Jh. muss man mit dem Bau des mächtigen Turmes rechnen. Er misst 6,40 mal 6,60 Meter und ist damit fast quadratisch. Seine Mauerstärke beträgt 1,40 Meter. Das entspricht in etwa den Ausmaßen des Bergfriedes der Kipfenberger Burg. Zwei Einblicke ins Fundament liefern interessante Baudetails. Der Baugrund besteht aus einem fetten braunem Ton Das ursprüngliche Fundament setzt sich zusammen aus mindestens 3 Lagen Kalkbrocken über denen liegende Quader aufgebracht wurden. Diese zeigen eine Abschrägung, ein klassisches Detail zur Wasserabweisung. Die Oberflächen sind nach Steinmetzart gebeilt und exakt gearbeitet.

(Fortsetzung folgt)

von Dr. K.H.Rieder

 
Objekt des Monats November
Beigaben eines spätkeltischen Kindergrabes aus Grösdorf

Beigaben eines spätkeltischen Kindergrabes aus Grösdorf

 

Ende gut, alles gut könnte man den Ausgang einer Geschichte bezeichnen, die 1955 ihren Anfang nahm. In diesem Jahr hatte sich das damalige Mitglied der Führungsebene der Glasfabrik Grösdorf, Siegfried Schönbeck, einen Bungalow gebaut, und zwar am nördlichen Rand des Betriebsgeländes. Siegfried Schönbeck war verheiratet mit der Tochter Brigitta des Fabrikbesitzers E. W. Müller. Bei der Handschachtung des Baugrundes fanden die Arbeiter altertümliche Scherben von Tongefäßen, von denen der damalige Kreisheimatpfleger Anton Gäck Kenntnis erlangte. Anfang der 70-er Jahre hat Gäck dem Verfasser dieses Berichtes von dem Fund berichtet. Wie sich im Nachhinein herausstellte, hatte Gäck von den Funden leider keine Aufzeichnungen angefertigt. Später kam es durch den Berichterstatter zu einer Recherche nach den Funden, an die sich Frau Brigitta Schönbeck jedoch nicht mehr erinnern konnte. Nachdem keine Aussicht bestand, die Sache zu klären, blieb diese, den Umständen geschuldet, liegen.

Jahrzehnte gingen ins Land, bis die Sache durch Zufall an Aktualität gewann. Im Jahr 2016 beging der Ort Kipfenberg seine Feier der 750-jährigen Wiederkehr seiner ersten urkundlichen Erwähnung. Im Jubiläumsjahr fanden zahlreiche Veranstaltungen statt, u.a. eine große Ausstellung mit Werken des Malers C. O. Müller, der wegen seines Malstils als „Cezanne des Altmühltales“ bezeichnet wird. C. O. Müller war der älteste Bruder von Frau Schönbeck. Anlässlich der Vorbereitung der Ausstellung kam es zu manchen Kontakten zu den Verwandten C.O.Müllers, so auch zu seine Schwester Brigitta Schönbeck und deren beide Kinder Henriette und Thomas. Alle steuerten wichtige Werke zu der biografisch thematisierten Ausstellung bei. Bei der Übergabe einiger Gemälde durch Henriette Schönbeck kam die Rede auch auf die Funde aus der Zeit des Hausbaus. Der alte Fall klärte sich mit einem Satz als Henriette sagte: „Ach ja, die Töpfchen stehen bei uns zu Hause in Gerolsbach.“ Jetzt war ich natürlich höchst gespannt, was mich hier erwartete. Frau Schönbeck brachte die Funde bei ihrem nächsten Besuch am 6. Oktober 2015 mit nach Kipfenberg. Bei den Funden handelt es sich um zwei kleine, in Fragmente zerbrochene Gefäße und zwei Einzelscherben. Eines der Gefäße war ein kleines typisches Graffittontöpfchen, wie es sich im Fundgut der Keltenstadt Manching vielfach findet, das andere ein kleiner Teller. Vollständige Gefäße deuten meist auf einen geschlossenen Fund hin, wie er bei Grabbeigaben der Fall ist.

Wie gesagt, sind die Gefäße relativ klein. Bei einer Nachschau in der einschlägigen Literatur Bayerns fanden sich interessante Parallelen aus dem nahen Kelheim. Dort gibt es vergleichbare kleine Gefäße bei einigen Kindergräbern.

Auf der Suche nach Zeitzeugen stellte sich eine Ernüchterung ein. Der letzte Mitarbeiter des Hausbaus war kurz zuvor verstorben. Auch wenn sich die Frage, ob damals Skelettreste gefunden worden sind, nicht mehr klären lässt, so dürfte der Charakter der Funde als Grabbeigaben außer Zweifel stehen. Als solche sind sie auch aus heutiger Sicht recht selten. Bemerkenswert ist das typische Töpfchen aus Graffitton. Auffallend ist der wulstig ausgebildete Rand und der Verzierungsstil aus Kammstrichen. Bemerkenswert ist auch ein geometrisches Zeichen auf dem Boden, ein abgewandeltes Y, wie es auf solchen Gefäßen gelegentlich vorkommt. Zeitlich dürfte die Bestattung wohl im zweiten Jahrhundert v. Ch. erfolgt sein. Der Familie Schönbeck soll an dieser Stelle herzlich dafür gedankt zur Klärung dieses hoch bedeutsamen und schon verschollen geglaubten Geschichtsdokuments beigetragen zu haben. Die Funde sollen zukünftig dauerhaft im Römer und Bajuwaren Museum ausgestellt werden.

Dr. Karl Heinz Rieder

Objekt des Monats Oktober

Am Meeresboden des Oberen Jura in Irlahüll

Eingriffe in den Boden eröffnen vielfach überraschende Fenster in die Geschichte. Sie ermöglichen uns einen Blick in die Geschichte unserer Heimat, die manchmal Millionen Jahre zurückreichen. Der Jura der Altmühlalb gehört aus dieser Sicht seit Jahrhunderten zu den privilegierten Landschaften Mitteleuropas, was den Oberen Jura angeht sogar der ganzen Welt. Das herausragende Fossil ist dabei der Urvogel Archäopteryx, der nicht nur Evolutionsforscher und Paläontologen begeistert.

Der Urvogel lebte nicht allein an den Gestaden des Jurameeres, sondern war Bestandteil einer exotischen Tier- und Pflanzenwelt zu Land und zu Wasser. Ammoniten gehörten zu den weitverbreitetsten Meeresbewohnern dieses Zeitalters. Sein versteinerter Abdruck ist heute das Markenzeichen des Naturpark Altmühltal.

Einen Blick in die Erdgeschichte bot vor wenigen Jahren die Erneuerung der Kanalisation in Irlahüll. Den Bauarbeitern und auch den Bewohnern war beim Aushub der Schächte sicher die rotbraune Erde aufgefallen, die durchsetzt war mit eigenartigen Steinen. Beim genaueren Hinsehen fiel auf, dass es sich bei Letzteren nicht um Kalk handelte, sondern um ein hartes Material, welches gemeinhin als Hornstein bezeichnet wird, ein hartes und zähes Kieselsäuregestein. Die rotbraune Farbe des Sediments war ein Zeichen dafür, dass sich der Hornstein in einem ebenfalls Millionen Jahre dauernden Prozess aus dem Kalkstein des Jura gelöst hatte. Der Fachmann spricht bei solchen Befunden von einer “Residuallagerstätte“ das ist der nicht lösbarer Rest.

Nun kommt vor, dass auf der Oberfläche dieser Gesteine gelegentlich Fossilabdrücke vorhanden sein können. Dies war auch in Irlahüll der Fall. Schon vor einigen Jahrzehnten hat der Verfasser dieses Beitrages in Irlahüll eine Steinplatte gefunden, auf der eine Muschel auffallend erhaben herausragte. Ähnliches fand sich nun auf manchen Steinen des der Baustelle Die große Menge des Aushubes erforderte einen Abtransport, der auf der Deponie in Kemathen ausgebreitet wurde. Dort bot sich nun eine günstige Gelegenheit, möglichst viele der Steine zu betrachten. Es fanden sich schichtartige Formen, Platten, Knollen und auch richtig große Fladen von bis zu 70 cm Länge.

Am häufigsten zeigten sich Flächen mit Schalen ehemaliger Meeresbewohner wie Muscheln und Armfüßler. Abdrücke von Ammoniten gab es nicht, dafür aber die Verschlussdeckel ihrer Gehäuse, sogenannte Aptychen. Verschiedenen Formen belegen, dass es damals mehrere Arten von Ammoniten gab. Weiter fand sich zahlreiche Schalenabdrücken von Armfüßlern, das sind Verwandte von Krebstieren, die von der Wissenschaft als Brachiopoden bezeichnet werden. Interessant sind plastisch erhaltene      Seeigelstacheln, von denen es einige Exemplare gibt. Ein besonders schönes Exemplar einer der Pilgermuschel verwandten Art sticht wegen ihrer Größe und ihres Erhaltungszustandes heraus. Wissenschaftlich gesehen gehört sie zu den „Pecten“, einer Art, die bis heute überlebt hat. Auf einer Silexplatte hat sich auch der Abdruck eines Fischschwanzes erhalten. Dies ist ein Beleg dafür, dass die Ablagerungen in die Zeit des Oberen Jura gehören, also in die Zeit der Bildung der bekannten Plattenkalke.

Die Fossilen von Irlahüll belegen einmal mehr, dass man bei einiger Aufmerksamkeit stets neue Entdeckungen zur Heimatgeschichte machen kann.

Dr. Karl Heinz Rieder

Objekt des Monats September


Ein gotisches (?) Vesperbild aus Biberg - mit sehr trauriger Madonna
 

Erstaunliche Schätze schlummern im Depot unseres Museums. Unter anderem eine  hölzerne Pietà, genannt auch Vesperbild. Diese 1976 in Biberg gefundene Figur scheint etwa 600 Jahre alt und damit gotisch zu sein. Wenn nicht gar frühgotisch, wie der frühere Kreisheimatpfleger Anton Gäck auf einem Notizblättchen schreibt.

Was ist dargestellt? Die nach der Kreuzabnahme unter dem Kreuz allein gebliebene Maria. Sitzend hält sie auf ihrem Schoß den toten Sohn. Dieses Motiv der Schmerzensmutter war in der Gotik eine Art „Renner“ unter den religiösen Andachtsbildern. Bildhauer des frühen 14. Jahrhunderts haben es im fränkisch-thüringischen Raum und im Bodenseegebiet erfunden. Von dort aus wanderte das Motiv  nach Böhmen, Italien und ins übrige Europa, wo es „Pietà“ (ital. für „Mitleid“) hieß. Im deutschen Raum wurden solche Statuen „Vesperbild“ genannt. Abgeleitet vom Stundengebet der Klöster – wurde Maria ihr toter Sohn doch zur Zeit der Vesper, also zum Abendgebet, in den Arm gelegt.

Zur Madonna selbst: Sie ist in doppelter Hinsicht traurig. Nicht nur wegen ihrer mitleiderregenden Botschaft. Sondern auch wegen ihres arg lädierten Zustands. Sie ist etwa ein Meter groß und aus Holz, vermutlich Linde, geschnitzt. Die Farbfassung ist verloren. Und der Holzwurm hat sich an ihr gütlich getan. Christus ist nur noch als Torso erhalten. Kopf und Füße fehlen. Doch die Seitenwunde ist gut zu erkennen. Dort, wo sein Haupt angebracht war, klafft ein Dübelloch. Auch die Madonna hat im Laufe der Zeit viel von ihrem Liebreiz eingebüßt. Gesicht, Schleier und Mantel sind abgewetzt. Ihr Näschen ist fast völlig verschwunden. Ihre Stirn grauenhaft gespalten. Es scheint fast, als hätte ein Grobian mit der Kettensäge in ihrem Gesicht gewütet. Auch die Füße der Jungfrau fehlen. Ihr Mantelsaum erinnert auf den ersten Blick an altes Schwemmholz. Der zweite Blick lässt allerdings erkennen: die Falten ihres Gewandes waren einst prächtig drapiert.

Was sagt die Kunsthistorikerin zu dieser zwiespältigen Erscheinung? Katharina Hupp, Expertin für sakrale Plastik beim Bistum Eichstätt, hat unsere Madonna freundlicherweise spontan einer kleinen „Autopsie“ unterzogen. Sie vermutet, dass die Figur über lange Zeit unterschiedlichen Bedingungen von Temperatur und Luftfeuchtigkeit ausgesetzt war und deswegen stark gelitten hat. Ursprünglich stand die Pietà wohl auf einem Sockel, der Feuchtigkeit sog, was dazu führte, dass die untere Partie samt Schuhwerk langsam zerfiel. Über die gesamte Figur ziehen sich markante Schwund- und Trocknungsrisse. Gut möglich, dass die Jungfrau auch von oben Feuchtigkeit bekam und erodierte. Doch woher stammen die groben Blessuren in ihrem Gesicht? Man kann nur spekulieren. Aber es könnte sein, dass irgendein „Möchtegern-Restaurator“ sich an der ursprünglichen, vielleicht abgeblätterten Farbfassung störte und diese samt Grundierung abgemeißelt hat. Dieses Experiment wäre jedenfalls gründlich missglückt.  

Katharina Hupp nimmt an, dass dieses Vesperbild einst in einer Kirche stand, vielleicht sogar an einem Marienaltar. Von dort aus dürfte es gewandert sein. Zunächst vielleicht in eine Außennische, dann in eine Feld- oder Hauskapelle. Schließlich landete es in einer Scheune in Biberg. Dort jedenfalls wurde es, wie Geck auf seinem Zettel notiert, im Jahr 1976 beim Abriss der Scheune entdeckt.

Zu gern möchte man sich ausmalen, wie die Biberger schon im Mittelalter ihr Ave Maria vor genau dieser mitleiderregenden und zugleich auch reizenden Pietà gebetet haben. Unwahrscheinlich ist das nicht. Denn andere hölzerne Figuren aus dieser frühen Zeit sind aus dieser Kirche noch erhalten.

Dr. Anne Müller

Objekt des Monats August

Eine attraktive Ofenkachel der Renaissance aus Kipfenberg
 

 

„Holz macht Sachen“ heißt die wunderbare Sonderausstellung im Römer- und Bajuwaren Museum. Nicht auf den ersten Blick hat das neue Exponat mit Holz zu tun. Man könnte es jedoch unter dem Aspekt sehen: Holz macht warm. Und Wärme war   im Siedlungsgeschehen in unseren Breiten im Winter ein höchst wichtiges Kulturgut. In seiner ältesten Form spielte das Lagerfeuer aus Prügelholz über Jahrtausende hinweg eine wichtige Rolle. Auch in den Häusern der frühen Bauern der Jungsteinzeit war eine Wärmequelle das abendliche Zentrum der Familie, bis hinein in die Keltenzeit. Ein Quantensprung vollzog sich, als die Römer ihre Wohngebäude mit einer Unterboden- und Wandheizung ausstatteten. Im Hochmittelalter kam eine neue Heizkultur zum Tragen: Der Kachelofen. Zunächst waren es einfache Becherkacheln, die man in tönerne Kuppelöfen einsetzte. Dann folgten schmucklose Topfkacheln, die man bald verzierte. Es entstanden grün glasierte Nischen- und Blattkacheln, welche nicht nur Wärme vermittelten, sondern auch Behaglichkeit in den Wintermonaten ausstrahlten. Heute hat sich ein ganzer Forschungszweig zu dieser interessanten, kulturgeschichtlichen Quelle etabliert.

Eine besondere Kachel aus Kipfenberg soll an diese Entwicklung erinnern. Im Aushub einer Großbaustelle in der Försterstraße fanden sich im Frühjahr dieses Jahres zahlreiche Fragmente von Ofenkacheln. Eine davon ließ sich vollständig ergänzen. Das in ein Model gedrückte Blatt zeigt eine Rosette in Wirbelform, die an dünne Pflanzenblätter erinnert. Auf der Innenseite der Kachel zeigt sich der flächige Abdruck eines Leinengewebes zum Anpressen des Tonmantels in die Form. Der renommierte Kachelforscher Harald Rosmanitz spricht diese als Fischblasenwirbel an. Das zentrale Motiv ist umgeben von einem akanthusbesetzten Medaillon.  In den Ecken finden sich Rankenbündchen, in deren Mitte sich eine Kornähre zeigt. Die quadratische Kachel hat im Ingolstädter Neuen Schloss und an vielen anderen Fundplätzen Ingolstadts Vergleichsbeispiele. Auch im Fränkischen Freilandmuseum in Bad Windsheim wurde ein Kachelofen mit dieser Form von Kacheln nachgebaut, welche man in die Mitte des 16. Jhs. einordnet. Kulturgeschichtlich ist die Form der Renaissance zuzuweisen.

Für die Kipfenberger Baugeschichte ist die Kachel deshalb von großer Bedeutung, weil sie ein erstes, greifbares Indiz für die Erstbebauung der Försterstraße liefert. Rosmanitz meint, dass die Kachel in das letzte Drittel des 17.ten Jahrhunderts  datiert. Aus einer Zeit, wo schriftliche Quellen schweigen, findet sich hier ein Beleg, dass die Försterstraße wohl in der Zeit nach dem 30.- jährigen Krieg als Handwerkersiedlung erbaut wurde. Als Markenzeichen hierfür gelten die zweistöckigen giebelständigen Häuser, deren aufwändige Bauweise durch den wirtschaftlichen Ertrag der Handwerker gewährleistet war. Einige dieser historischen Häuser haben sich bis heute erhalten. Einen Kachelofen dieser Güte konnte sich meist nur Handwerker und Händler, aber auch Brauer und Wirte leisten. Die Zukunft wird zeigen, ob sich diese Vermutung bestätigen lässt.

 

Dr. Karl Heinz Rieder

Objekt des Monats Juli


Eine römische Taubenfibel aus Irlahüll, Markt Kipfenberg

 

Bei der Ausgrabung römischer Ruinenplätze finden sich mit steter Regelmäßigkeit Gewandfibeln aus Metall. Wegen ihrer Vielfalt verwendet sie der Archäologe gerne als Datierungshilfen. Sie unterlagen im Laufe der Zeit einer gewissen Mode. Auch die Herkunft aus verschiedenen Werkstätten und die Verbreitung auf den Handelswegen des Reiches spielten eine wichtige Rolle.

Erste größere Serie wurde in unserem Gebiet durch die Grabungen der Reichs Limes Kommission bekannt, so diejenige vom Kastell Pfünz. Leider sind durch Plünderungen am Ende des Zweiten Weltkrieges im Museum auf der Willibaldsburg in Eichstätt viele davon verschwunden. Eine Menge an Neufunden kamen durch den Einsatz von Metallsonden seit den späten 1970-er Jahren zusammen. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Verluste durch illegales Ausplündern der römischen Siedlungen und Kastellplätze groß. Diese schmälern unwiederbringliche die Kenntnis unserer Geschichte. Umso erfreulicher ist jeder Neufund, der durch zuverlässige Gewährsleute angezeigt wird. Ein sehr interessantes Objekt dieser Kategorie entdeckte der aus Irlahüll stammende Max Schneider im Umfeld seines Heimatortes in diesem Frühjahr. Das Stück stammt von einem Acker, der am Kindinger Weg liegt. Nun hat   Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder die Geschichte niedergeschrieben und den Fund erläutert.

Der Fundort befindet sich zweifelsfrei außerhalb des Römischen Limes, stammt also von keinem römischen Siedlungsplatzt. Die 3,4 cm lange Fibel stellt einen in Bronze hohl gegossenen Vogelkörper dar, dessen Kopf seine Art verrät: es ist eine Taube. Der bekannt Wissenschaftler Prof. Dr. Thomas Fischer hat sie als „Taubenfibel bezeichnet. Weiter schreibt er, „sie ist en geläufiger Typ des 2. Jh., ein tolles Stück“. Die Federn sind durch Punzen in Form von Viertelkreisen und gefeilte Riefen dargestellt. Ursprünglich war das kleine Objekt komplett vergoldet, wovon sich noch mehr als die Hälfte erhalten hat. Sicher diente sie nicht nur einer normalen Funktion, sondern war als Schmuckstück gedacht. Der Fuß mit der Spirale und der Nadelhalter sind ausgebrochen, vielleicht der Grund für den Verlust

Wie kommt das Stück an seinen heutigen Fundort, will man nun gerne wissen? Dafür bieten sich mehrere Möglichkeiten an, wovon sich aber keine mehr nachweisen lässt. Prof. Fischer hat in einer wichtigen wissenschaftlichen Arbeit sämtliche bis ca. 1980 bekannt gewordenen römischen Fundobjekte außerhalb des Römischen Limes zusammengestellt. Er bringt diese in Zusammenhang mit jüngeren germanischen Siedlungen des 4. und 5. Jahrhunderts. Dies würde bedeuten, dass Germanen unsere Fibel an einem alten verfallenen römischen Siedlungsplatz gefunden, sie vielleicht als Amulett mitgenommen und getragen haben und sie später wieder verloren. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass sich die Geschichte so zugetragen hat.

Das Fundstück wird ab Mitte Juli im Römer und Bajuwaren Museum auf der Burg Kipfenberg als Objekt des Monats zu sehen sein.

Das Museumsteam freut sich über weitere Fundmeldungen

Dr. Karl Heinz Rieder

 

Objekt des Monats Juni

Werkzeuge des Kipfenberger Möbelschreiners Max Walthierer

Passend zur Ausstellung „Holz macht Sachen“ werden im Römer und Bajuwaren Museum einige Exponate gezeigt, die mit Holzbearbeitung zu tun haben – und mit Kipfenberg. Viele Handwerksberufe beschäftigten sich früher mit Holz, einer davon ist der Möbelschreiner.

Nur noch den Älteren ist der Meister Max Walthierer bekannt, der 1949 gestorben ist. Dr. Elmar Ettle hat ihm in seinem Buch über Kipfenberger Handwerker ein Denkmal gesetzt. Walthierers Tochter, die “Woidierer Maare”, war auch eine Kipfenberger „Institution“ und hat eine Familienchronik verfasst. Als sie 2016 hochbetagt starb, hat sie einige Objekte hinterlassen, die an ihre handwerklichen Vorfahren erinnern. Darunter fand sich eine alte Laubsäge, würde man heute sagen. Deren eiserner Bügel ist exakt von Hand gearbeitet und mit Stellschrauben versehen. Das Werkzeug dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Alles ist vorzüglich erhalten und nach wie vor funktionstüchtig. Interessant ist der gedrechselte Holzgriff und die Messingzier. Die Säge diente wohl zur Anfertigung von Intarsien, eine beliebte Zierform von Möbeln, wo mit verschiedenen Holzarten und Farben geometrische oder florale Muster erzielt wurden.

Hierzu brauchte es weiterer Hilfsmittel, so etwa ein Reißzeug bzw. Zirkelkasten. Davon haben sich zwei Sätze erhalten, die wie üblich in Schatullen aufbewahrt werden. Die ältere davon besteht aus Holz und ist bemalt. Das Innere ist in zahlreiche Fächer gegliedert und mit farbigem Leinen ausgelegt. Es ist denkbar, dass dieser kleine Kasten noch aus dem 18. Jahrhundert stammt. Dieser besteht aus verschiedenen Stechzirkeln, die aus Messing und Eisen bestehen. Manche Griffe sind aus Bein gearbeitet. Alle Oberflächen sind vorzüglich geglättet, auch die gedrehten Teile. Einzelne Objekte sind noch funktionsfähig.

Die zweite Schatulle ist mit Leder überzogen, trägt eine Zierprägung und dürfte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Die Einzelteile liegen in Samt ausgeschlagenen Vertiefungen. Ihre Machart ist mit dem ersten Satz vergleichbar. Interessant ist das Fragment eines Zollstockes aus Messing, auf dem sich sowohl die Zolleinteilung befindet, wie auch eine Zentimeterskala.

Der erste Max Walthierer kam aus Beilngries und heiratete die Schreinerstochter Anna Maria Leopold aus Kipfenberg. Wer noch alte Erinnerungsstücke aus der Zeit des Möbelschreiners Max Walthierer hat, auch Fotografien oder vielleicht sogar Möbel aus seiner Werkstatt, kann sich bitte an das Museumsteam oder bei Dr. Karl Heinz Rieder melden.

Dr. Karl Heinz Rieder

Objekt des Monats Mai
 Kipfenberger Fahrradklingel & Co

Im Amtsblatt Mai weckte Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder Erinnerungen an den Schlosser Johann Eichiner aus Kipfenberg. Zugleich stellte er dem Museum eine historische Fahrradklingel aus der Werkstatt dieses Meisters zur Verfügung. In diesem Zuge haben wir mit einem Aufruf nach weiteren Erinnerungsstücken aus dieser Zeit gesucht. Mit schönem Erfolg! Auf unseren auch auf Facebook geteilten Aufruf hin hat sich Eichiners Urenkel, Gerhard Josef Herzner, bei uns gemeldet und uns Fotos seines Urgroßvaters zur Verfügung gestellt. Diese Fotos sind nun zusammen mit der Klingel, einem Fahrradausweis und einer nostalgischen Einrad-Fotographie aus der Sammlung des Eichstätter Heimatforschers Rudi Hager in einer eigenen Vitrine im Museumsfoyer ausgestellt.
Diese „Fahrrad-Vitrine“ inspirierte uns zu einer neuen Aktion: Ab sofort könnt Ihr im Foyer des Museums ein „Objekt des Monats“ bewundern. Wir hoffen, wir haben Eure Neugier geweckt! Und das beste: Eintritt müsst Ihr dafür nicht extra berappen.