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Objekt des Monats Juli


Eine römische Taubenfibel aus Irlahüll, Markt Kipfenberg


Bei der Ausgrabung römischer Ruinenplätze finden sich mit steter Regelmäßigkeit Gewandfibeln aus Metall. Wegen ihrer Vielfalt verwendet sie der Archäologe gerne als Datierungshilfen. Sie unterlagen im Laufe der Zeit einer gewissen Mode. Auch die Herkunft aus verschiedenen Werkstätten und die Verbreitung auf den Handelswegen des Reiches spielten eine wichtige Rolle.

Erste größere Serie wurde in unserem Gebiet durch die Grabungen der Reichs Limes Kommission bekannt, so diejenige vom Kastell Pfünz. Leider sind durch Plünderungen am Ende des Zweiten Weltkrieges im Museum auf der Willibaldsburg in Eichstätt viele davon verschwunden. Eine Menge an Neufunden kamen durch den Einsatz von Metallsonden seit den späten 1970-er Jahren zusammen. Wahrscheinlich ist die Anzahl der Verluste durch illegales Ausplündern der römischen Siedlungen und Kastellplätze groß. Diese schmälern unwiederbringliche die Kenntnis unserer Geschichte. Umso erfreulicher ist jeder Neufund, der durch zuverlässige Gewährsleute angezeigt wird. Ein sehr interessantes Objekt dieser Kategorie entdeckte der aus Irlahüll stammende Max Schneider im Umfeld seines Heimatortes in diesem Frühjahr. Das Stück stammt von einem Acker, der am Kindinger Weg liegt. Nun hat   Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder die Geschichte niedergeschrieben und den Fund erläutert.

Der Fundort befindet sich zweifelsfrei außerhalb des Römischen Limes, stammt also von keinem römischen Siedlungsplatzt. Die 3,4 cm lange Fibel stellt einen in Bronze hohl gegossenen Vogelkörper dar, dessen Kopf seine Art verrät: es ist eine Taube. Der bekannt Wissenschaftler Prof. Dr. Thomas Fischer hat sie als „Taubenfibel bezeichnet. Weiter schreibt er, „sie ist en geläufiger Typ des 2. Jh., ein tolles Stück“. Die Federn sind durch Punzen in Form von Viertelkreisen und gefeilte Riefen dargestellt. Ursprünglich war das kleine Objekt komplett vergoldet, wovon sich noch mehr als die Hälfte erhalten hat. Sicher diente sie nicht nur einer normalen Funktion, sondern war als Schmuckstück gedacht. Der Fuß mit der Spirale und der Nadelhalter sind ausgebrochen, vielleicht der Grund für den Verlust

Wie kommt das Stück an seinen heutigen Fundort, will man nun gerne wissen? Dafür bieten sich mehrere Möglichkeiten an, wovon sich aber keine mehr nachweisen lässt. Prof. Fischer hat in einer wichtigen wissenschaftlichen Arbeit sämtliche bis ca. 1980 bekannt gewordenen römischen Fundobjekte außerhalb des Römischen Limes zusammengestellt. Er bringt diese in Zusammenhang mit jüngeren germanischen Siedlungen des 4. und 5. Jahrhunderts. Dies würde bedeuten, dass Germanen unsere Fibel an einem alten verfallenen römischen Siedlungsplatz gefunden, sie vielleicht als Amulett mitgenommen und getragen haben und sie später wieder verloren. Es ist gar nicht so unwahrscheinlich, dass sich die Geschichte so zugetragen hat.

Das Fundstück wird ab Mitte Juli im Römer und Bajuwaren Museum auf der Burg Kipfenberg als Objekt des Monats zu sehen sein.

Das Museumsteam freut sich über weitere Fundmeldungen

 

Objekt des Monats Juni

Werkzeuge des Kipfenberger Möbelschreiners Max Walthierer

Passend zur Ausstellung „Holz macht Sachen“ werden im Römer und Bajuwaren Museum einige Exponate gezeigt, die mit Holzbearbeitung zu tun haben – und mit Kipfenberg. Viele Handwerksberufe beschäftigten sich früher mit Holz, einer davon ist der Möbelschreiner.

Nur noch den Älteren ist der Meister Max Walthierer bekannt, der 1949 gestorben ist. Dr. Elmar Ettle hat ihm in seinem Buch über Kipfenberger Handwerker ein Denkmal gesetzt. Walthierers Tochter, die „Woidierer Maare“, war auch eine Kipfenberger „Institution“ und hat eine Familienchronik verfasst. Als sie 2016 hochbetagt starb, hat sie einige Objekte hinterlassen, die an ihre handwerklichen Vorfahren erinnern. Darunter fand sich eine alte Laubsäge, würde man heute sagen. Deren eiserner Bügel ist exakt von Hand gearbeitet und mit Stellschrauben versehen. Das Werkzeug dürfte aus dem 19. Jahrhundert stammen. Alles ist vorzüglich erhalten und nach wie vor funktionstüchtig. Interessant ist der gedrechselte Holzgriff und die Messingzier. Die Säge diente wohl zur Anfertigung von Intarsien, eine beliebte Zierform von Möbeln, wo mit verschiedenen Holzarten und Farben geometrische oder florale Muster erzielt wurden.

Hierzu brauchte es weiterer Hilfsmittel, so etwa ein Reißzeug bzw. Zirkelkasten. Davon haben sich zwei Sätze erhalten, die wie üblich in Schatullen aufbewahrt werden. Die ältere davon besteht aus Holz und ist bemalt. Das Innere ist in zahlreiche Fächer gegliedert und mit farbigem Leinen ausgelegt. Es ist denkbar, dass dieser kleine Kasten noch aus dem 18. Jahrhundert stammt. Dieser besteht aus verschiedenen Stechzirkeln, die aus Messing und Eisen bestehen. Manche Griffe sind aus Bein gearbeitet. Alle Oberflächen sind vorzüglich geglättet, auch die gedrehten Teile. Einzelne Objekte sind noch funktionsfähig.

Die zweite Schatulle ist mit Leder überzogen, trägt eine Zierprägung und dürfte aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts stammen. Die Einzelteile liegen in Samt ausgeschlagenen Vertiefungen. Ihre Machart ist mit dem ersten Satz vergleichbar. Interessant ist das Fragment eines Zollstockes aus Messing, auf dem sich sowohl die Zolleinteilung befindet, wie auch eine Zentimeterskala.

Der erste Max Walthierer kam aus Beilngries und heiratete die Schreinerstochter Anna Maria Leopold aus Kipfenberg. Wer noch alte Erinnerungsstücke aus der Zeit des Möbelschreiners Max Walthierer hat, auch Fotografien oder vielleicht sogar Möbel aus seiner Werkstatt, kann sich bitte an das Museumsteam oder bei Dr. Karl Heinz Rieder melden

Objekt des Monats Mai
 Kipfenberger Fahrradklingel & Co

Im Amtsblatt Mai weckte Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder Erinnerungen an den Schlosser Johann Eichiner aus Kipfenberg. Zugleich stellte er dem Museum eine historische Fahrradklingel aus der Werkstatt dieses Meisters zur Verfügung. In diesem Zuge haben wir mit einem Aufruf nach weiteren Erinnerungsstücken aus dieser Zeit gesucht. Mit schönem Erfolg! Auf unseren auch auf Facebook geteilten Aufruf hin hat sich Eichiners Urenkel, Gerhard Josef Herzner, bei uns gemeldet und uns Fotos seines Urgroßvaters zur Verfügung gestellt. Diese Fotos sind nun zusammen mit der Klingel, einem Fahrradausweis und einer nostalgischen Einrad-Fotographie aus der Sammlung des Eichstätter Heimatforschers Rudi Hager in einer eigenen Vitrine im Museumsfoyer ausgestellt.
Diese „Fahrrad-Vitrine“ inspirierte uns zu einer neuen Aktion: Ab sofort könnt Ihr im Foyer des Museums ein „Objekt des Monats“ bewundern. Wir hoffen, wir haben Eure Neugier geweckt! Und das beste: Eintritt müsst Ihr dafür nicht extra berappen.