1. Teil der Museumsgeschichte
 „Wie alles Begann“

Von Dr. Karl Heinz Rieder

 

Am 1. August 1971 war es soweit. Im Beisein zahlreicher Ehrengäste wurde das Museum durch Bürgermeister Heinrich Haderer eröffnet und Anton Gäck zum Leiter des Museums bestellt. In Würdigung seiner vielen Verdienste für die Marktgemeinde ernannte man Gäck gleichzeitig zum Ehrenbürger.

Anton Gäck und seine Schulsammlung mündet im Heimatmuseum Kipfenberg

Das Ende seiner beruflichen Tätigkeit als Oberlehrer fiel in etwa zusammen mit der 700- Jahrfeier von Kipfenberg im Jahr 1966. Diese gab Anlass zu einer Ausstellung archäologischer Exponate und anderer Gegenstände aus der Geschichte von Kipfenberg sowie von Archivalien. Diese „Dokumentenausstellung“ fand in einem großen Raum des Alten Amtsgerichts, dem späteren Rathaus bzw. dem Haus des Gastes statt. Aus der Begeisterung des Festjahres erwuchs die Idee, zukünftig dauerhaft ein Heimatmuseum als Attraktion des aufstrebenden Marktes einzurichten.

Den Beschluss zur Einrichtung eines Heimatmuseums fasste der neu gewählte Gemeinderat unter Bürgermeister Heinrich Haderer schon im September 1966. Konkrete Formen nahmen die Überlegungen im Jahr 1968 an, als der Umbau des alten Amtsgerichtes begann. Dieses war als zentraler Verwaltungssitz für die zukünftige Großgemeinde vorgesehen Das Heimatmuseum sollte im großen Dachgeschoss dieses Gebäudes eingerichtet werden. Die Ankündigung dieser Entscheidung wurde im Eichstätter Kurier mit der Einladung zum ersten Limesfest bekanntgegeben, ja sogar in der Süddeutschen Zeitung fand sich diese Notiz. Im Jahr 1969, nachdem der Umbau soweit fortgeschritten war, begann Anton Gäck mit der Einrichtung. Zunächst bedeutete dies die Beschaffung entsprechender Vitrinen, welche von Kipfenberger Handwerksbetrieben hergestellt, von Anton Gäck bezahlt und dem Museum gestiftet wurden. Gleichzeitig wurden fleißig weitere Exponate gesammelt.

Die Einrichtung des Museums erfolgte weitgehend im Jahr 1970 und weiter bis zur Eröffnung im Sommer 1971. Bürgermeister Haderer sorgte für Rauminstallationen mit zahlreichen Bauernschränken, einem gusseisernen Ofen und anderen bäuerlichen Gerätschaften.

In den ersten Jahren nach der Eröffnung war das Museum in den Sommermonaten vom 1. Mai bis zum 31. Oktober geöffnet. An den Werktagen Dienstag und Donnerstag war es von 10 – 12 Uhr zu besichtigen. Den Museumsdienst besorgte Anton Gäck selbst.                                                                                                                                                                                                                           

2. Teil der Museumsgeschichte
Das Kipfenberger Heimatmuseum

Ein glücklicher Start

Von: Kreisheimatpfleger Dr Karl Heinz Rieder

Schon kurz nach der Eröffnung konnte der Eichstätter Kurier berichten: „Viele und schöne Neuzugänge im Kipfenberger Heimatmuseum“. Jetzt wird erstmals über den Inhalt des Museums und der einzelnen Vitrinen berichtet. Anton Gäck folgt hier dem Thema seiner Sammlung. Die wichtigsten Versteinerungen sowie Erze, Steine und Erdproben unserer Heimat sind in zwei Vitrinen ausgestellt. In sogenannten Schaukästen hat Gäck jeweils Funde der Bronze- und Hallstattzeit präsentiert sowie Lesefunde, die im römischen Kastell Böhming und im Gräberfeld gefunden worden sind. 

In weiteren Schaukästen waren gesammelte Exponate des Mittelalters und der Neuzeit zu sehen. Darunter befanden sich Trinkgefäße mit Zinndeckeln und irdene Maßkrüge. Anton Gäck weist auf eine eigene Wand mit Grafiken des gebürtigen Kipfenbergers Franz Ermer hin. Diese Serie von Bildern wurde von dem  Kipfenberger Ehrenbürger seinem Geburtsort zum Geschenk gemacht. Erwähnenswert findet Gäck den Erwerb von 15 Farbfotos alter Fachwerkhäuser und Stadel, von denen einige schon der Spitzhacke zum Opfer gefallen sind. Angefertigt hatte diese der Kipfenberger Fotograf Wolfgang Riek.

Bürgermeister Heinrich Haderer gehörte zu den größten Förderern des Museums. Als eifriger Sammler, der oft tief in seine private Tasche greift, hat er zahlreiche Altertümer erworben. So hat er das Museum um drei prächtige Bauernschränke, einen Bauernschlitten, eine Schubkarre aus Holz und den Spieß der Pfahldorfer Kirchenwache bereichert. Auch die Spielzeugausstellung aus den Anfängen unseres Jahrhunderts, so Anton Gäck, erhielt einige Zugänge. 

Nach der Freude über den erfolgreichen Start lässt Gäck jetzt an die Zukunft denken und führt hierfür Alternativen auf. Hier muss man ihn selbst sprechen lassen: „Wer dem Museum einen alten Gegenstand nicht unbedingt schenken will, kann denselben als Leihgabe zur Verfügung stellen. Der Besitzer hat damit die Gewähr, dass sein Eigentum niemals verloren geht und sein Name wie der aller Spender im Katalog des Museums für alle Zeiten festgehalten wird. So stellt die Prähistorische Staatssammlung in München (Dr. Dannheimer) die im Herbst vorigen Jahres in Inching gemachten Reihengräberfunde zur Verfügung, während das Museum des Historischen Vereins Eichstätt auf der Willibaldsburg (Studienrat Röttel) einige in Kipfenberg gefundene Altertümer ausleiht.

Dem Kipfenberger Heimatmuseum kann man anlässlich der offiziellen Eröffnung nur eine weitere Bereicherung an Gegenständen der Vergangenheit, immerwährenden zahlreichen Zuspruch und eine gute, liebevolle Betreuung für alle Zukunft wünschen. Es soll beilleibe nicht allein eine Attraktion für Fremde sein, auch die Einheimischen in Kipfenberg und Umgebung mögen sich wenigsten alle paar Jahre umsehen, was es „da oben“ Neues zu sehen gibt. Dann erfüllt das Heimatmuseum seinen Zweck voll und ganz.“

Es entsprach der Natur von Oberlehrer i. R, Anton Gäck und damaligen Kreisheimatpfleger, dem Heimatmuseum die Struktur eines richtigen Museums zugrunde zu legen. So legte er ein allgemeines Inventarverzeichnis an, in dem er auch die Leihgaben erfasste. Zu unterscheiden ist das Inventar der Exponate von jenem, in welchem er das Mobiliar zusammenstellte. Eine eigene Rubrik ist dem „Archiv“ des Heimatmuseums gewidmet .Darin erfasste  er alle Schriftstücke und Drucke Um seine „Buchführung“ zu komplettieren, hat er sein Ein – und Ausgangsbuch hinterlassen, welches er bis 1978 geführt hat. 

Als ergänzendes Werbemittel gab es ab etwa 1975 einen Werbeprospekt in Schwarzweiß. Das Titelbild zeigt einen Stiefelknecht der Gründerzeit. In dem Faltblatt wird der Standort des Heimatmuseums ausdrücklich als vorläufig bezeichnet; das Dachgeschoss war eben nicht ideal 

 Anton Gäck war im Laufe der 1970-er Jahre zunehmend nicht mehr in der Lage, in das Dachgeschoss des Museums hochzusteigen. Auf der Suche nach einer Aufsicht zu den Öffnungszeiten stellte sich Wendelin Tratz bereit. Er war in seinem aktiven Berufsleben der letzte Bahnhofsvorstand von Kipfenberg.

 

3. Teil der Museumsgeschichte
 Heimatmuseum im Wandel
                                                                                                                                             

 Von Kreisheimatpfleger Dr. Karl Heinz Rieder

Die Institution Heimatmuseum bereitete seinem Gründer Anton Gäck viel Freude. Seine Befürchtung, dass nach ihm seine Sammlung auf dem Schuttplatz landen würde, hatte sich zerstreut. In den 70-er Jahren kamen eher wenige Exponate hinzu, aber Zugänge erfolgten kontinuierlich. Darunter waren beispielsweise die Funde des Verfassers dieser Zeilen beispielsweise die eiszeitlichen Tierknochen aus der Kemathener Höhle.
Zahlreiche römische Funde von den Äckern um das Kastell Böhming wurden dem Museum von dem Münchner Architekten Hans Schleicher überlassen, der mit seiner Familie das Böhminger Mesnerhaus als Wochenenddomizil nutzte.
Böhming sollte auch zum Ort des nächsten historischen Jubiläums werden. Die Kastellinschrift, die bei den Ausgrabungen 1898 gefunden worden war, bestätigte, dass der Bau des Steinkastells im Jahr 181 n. Ch. unter Kaiser Commodus erfolgt war. Anton Gäck nahm am Jubiläum lebhaften Anteil und beteiligte sich an einer kleinen Ortschronik mit einem Beitrag. Die Ortsgemeinschaft feierte das Jubiläum mit einem historischen Festzug, einem Festvortrag und einer Ausstellung archäologischer und historischer Exponate im ehemaligen Klassenzimmer des Schulhauses in Böhming. Dabei konnte auf den Fundus des Heimatmuseums Kipfenberg zurückgegriffen werden.

Nach dem Ende der Ausstellung bat Anton Gäck den Verfasser darum, den Rest seiner Sammlung nach Kipfenberg ins Heimatmuseum zu überführen und übergab ihm die Schlüssel zum Museum mit der Bitte, sich zukünftig um diese zu kümmern. Aus gesundheitlichen Gründen hat er damals auch sein Amt als Kreisheimatpfleger abgegeben. Eine Zeitenwende zeichnete sich ab.
Anfang 1983 wandte sich der Verfasser an Bürgermeister Haderer, um eine Ergänzung und Neuaufstellung der römischen Exponate anzuregen. Grund hierfür war die Herausgabe eines neuen Limesführers. Prinzipiell war man sich über eine Erneuerung einig, das Vorhaben blieb zunächst liegen. Im selben Jahr, am 8.Juni 1983 verstarb der Museumsgründer Anton Gäck, im Alter von 81 Jahren.

Im Sommer 1984 hat der neue Bürgermeister Christian Weiß die Initiative ergriffen. Er regte die Errichtung eines Fremdenverkehrszentrums zusammen mit dem Heimatmuseum an. Standort sollte das Gebäude der ehemaligen Raiffeisenkasse in der Försterstraße sein, ein Jurahaus, welches unter Denkmalschutz stand. Die Planungen erfolgten durch ein in denkmalpflegerischen Fragen erfahrenes Planungsbüro. Das inhaltliche Konzept lieferte der Verfasser.
Der Gemeinderat hat das Vorhaben wegen eines unverhältnismäßig hohen Kostenaufwands abgelehnt. Es wurde beschlossen, für das Gebäude eine Abbruchgenehmigung einzuholen.
Das Heimatmuseum versank in eine Art Dornröschenschlaf. Erst mit der Entdeckung des Kriegergrabes von Kemathen, als Überlegungen für ein umfassendes Museumskonzept angestellt wurden, zeichnete sich eine Lösung für das alte Heimatmuseum ab. Ein Großteil seiner Exponate ließe sich in die einzelnen Abteilungen des Museums integrieren. Voraussetzung war eine vollständige Bestandsaufnahme des Fundus. Diese erfolgte im Jahr 1995 und hatte als Ergebnis insgesamt 771 Inventarnummern. Was sich integrieren ließ, wurde integriert. Anderes wurde zunächst deponiert. Bei der Eröffnung des Neuen Museums waren die römische und spätantike Abteilung zugänglich. Zusätzlich gab es eine Galerie mit Motiven des historischen Kipfenberg. Im Multifunktionsraum wurden volkskundliche Objekte von besonderer lokaler Bedeutung präsentiert, darunter der gewaltige Türstock aus Eiche mit klassizistischem Türblatt des abgebrochenen Jurahauses, der ehemalige Raiffeisenkasse in der Försterstraße.
Für einen Großteil der Objekte des ehemaligen Heimatmuseums wurde ein „begehbares Depot“ im Obergeschoss realisiert und am 18. 12.2001 eröffnet. Die Restbestände liegen nun im Depot, nur die Bauernschränke sind noch im Rathausspeicher. Auch hierfür wird es in Zukunft eine Passende Lösung geben.

 

Teil 4 der Museumsgeschichte
Ein Grab macht Geschichte

Von Karl Heinz Rieder

Die unerwartete Entdeckung des Kriegergrabes von Kemathen führte zu einer Entwicklung, die mit der Eröffnung des Römer- und Bajuwarenmuseums auf der Burg Kipfenberg fast 10 Jahre später ihren Abschluss fand.

Die Aufdeckung des Kriegergrabes erfüllte- für sich genommen -alle Kriterien, welche ein „Baiovarius“ moderner Definition, also ein früher Bajuware besitzen musste. Eine Keramikschale vom Typ Friedenhain unter den Grabbeigaben kennzeichnet ihn als Spross dieser germanischen Bevölkerung. Bestattet war er mit zahlreichen Attributen eines römischen Offiziers. Ein Schild, ein Schwert, ein Soldatengürtel, eine Offizierskiste, einen gläsernen Spitzbecher aus römischen Werkstätten und einen zweireihigen Beinkamm. Gleichzeitig besaß er Beigaben, die ihn als germanischen Häuptling kennzeichnen: ein Satz handgemachter Gefäße, als Reste von Speisebeigaben Knochen von Jungschweinen oder Spanferkel, einen silbernen Fingerring, eine eiserne Bügelfibel an der rechten Schulter, welche seinen Mantel zusammenhielt. Ebenso wichtig ist das Grab selbst, welches seine soziale Spitzenposition in seinem Clan herausstellt. Im Gegensatz zum gewöhnlich Sterblichen, der nach dem Tode auf dem Scheiterhaufen verbrannt  wird, erhielt er eine aufwändige Körperbestattung. Nach alter Tradition wurde er gestreckt auf dem Rücken niedergelegt, Nord – Süd- ausgerichtet, der Kopf im Norden mit Blick nach Süden. Er erhielt kein eingetieftes Erdgrab, nur den Oberboden hatte man wohl abgetragen, sondern eine hölzerne Grabkammer, die ursprünglich von einem Hügel überdeckt war. So lag sein Grab, für alle erkennbar, am Rande der zeitgleichen Siedlung, von der sich im Grabungsfeld einige Befunde erhalten hatten.

Wenn der Ausgräber kein gebürtiger Kipfenberger gewesen wäre, beseelt von den historischen Reizen seiner Heimat, hätte der Lauf der Dinge auch ein anderer gewesen sein können. So war es ein Ansinnen des Schreibers dieser Zeilen, den Fund nach den ersten erforderlichen Restaurierungs- und Sicherungsmaßnahmen der Presse vorzustellen. Dies geschah ca. 1 Jahr später im Beisein des Generalkonservators des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege Prof. Michael Petzet und Landeskonservators Dr. Erwin Keller.  Ein landesweites Presseecho war der Präsentation gewiss.

 Schon in dieser Zeit gab es erste Überlegungen, das Grab fundortnah auszustellen. Von offizieller Seite wurde das Stadtmuseum Ingolstadt ins Visier genommen. Wegen der landesweiten Bedeutung hatte auch die Archäologische Staatssammlung in München Interesse bekundet. Doch gab es auch die lokalen Kräfte, an vorderster Stelle der damalige Marktrat Günther Schwartz, gleichzeitig Vorsitzender des Fremdenverkehrts- und Verschönerungsvereins Kipfenberg. Als Burgverwalter wollte er mehrere Ziele vereinigen, so den Erhalt und eine geeignete Nutzung der Wirtschaftsgebäude der Burg in Kombination mit einer Verlagerung des Heimatmuseums dorthin. Er stellte damals die Frage, ob es vorstellbar wäre, den Fund von Kemathen ins Zentrum eines Museums zu stellen und dazu eine Ausstellung mir regionaler, ja sogar überregionaler Bedeutung zu konzipieren. Zuvor hatte sich Schwartz mit dem Eigentümer der Burg, Peter Hans Schuck abgestimmt, der das Vorhaben ausgezeichnet fand und sich als Förderer beteiligen würde.

Aus der Idee entwickelte der Schreiber ein Museumskonzept, welches auf mehreren Säulen basierte: nach der Geologie und Landschaftsgeschichte ein Blick in die Urgeschichte mit Höhlenfunden aus der Zeit des Neandertalers und des frühen jägerisch wirtschaftenden Menschen. Hierauf folgen sollte die Vorgeschichte mit den bronzezeitlichen Grabhügelgruppen, den Befestigungsanlagen der Urnenfelder- und Eisenzeit und den keltischen Viereckschanzen im Gemeindegebiet. Drittens war eine Inszenierung des römischen Limes geplant, daran anschließend Informationen zum Kastell von Böhming, dem zugehörigen Lagerdorf und seinem Friedhof.

Der nächste Schwerpunkt sollte sich das Grab des Kriegers von Kemathen und die Siedlungsgeschichte der Region in ihrer Bedeutung für die Landesgeschichte gezeigt werden Zu Ergänzen gab es  noch die Herrschaftsgeschichte der Kleinregion mit den Burgen auf dem Michelsberg, der Burg Arnsberg und der Burg Kipfenberg. Schließlich sollte das Heimatmuseum als volkskundliches Archiv eine dauerhafte Bleibe finden. Dieses Konzept fand die Zustimmung des damaligen Leiters der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen Bayerns, Dr. Egon Johannes Greipl, des späteren Generalkonservators des Landesamtes für Denkmalpflege. Die Dinge nahmen ihren Lauf.

Teil 5 der Museumsgeschichte
Der historische Wirtschaftshof als neue Heimstätte

Von Karl Heinz Rieder

Nachdem der Wirtschaftshof der Burg nach und nach seine Funktion verloren hatte, machte man sich schon in den 80-er Jahren seitens der Denkmalpflege Gedanken über dessen Zukunft Keine der Ideen oder Vorschläge war jedoch zufriedenstellend, so dass man seitens der Fachbehörde sogar einen Abriss zugestimmt hätte, unter Beibehaltung der Außenmauern. Die Museumsidee führte 1992 zu einem ersten inhaltlichen Konzept, welches Dr. Egon Johannes Greipl, der Chef der Landesstelle für die nichtstaatlichen Museen in Bayern als schlüssig bezeichnete. Es folgte ein Aufmaß des historischen Baukörpers, um eine Kostenschätzung auf gesicherter Basis vornehmen zu können. Diese wurde in großer Runde diskutiert und ein Finanzierungplan erstellt. Im August 1994 wurde das Gesamtpaket geschnürt und von allen Beteiligten abgesegnet. An oberster Stelle stand damals das Bayerische Staatsministerium für Unterricht, Kultus, Wissenschaft und Kunst, vertreten durch Ministerialrat Dr. Werner Schiedermair.

Nach den erforderlichen Formalien startete die Baumaßnahme im Jahr 1995. Die einzelnen Gebäudeteile wurden behutsam der späteren Einbauten entledigt und im Untergeschoss durch Ausgrabungen ein weiteres Geschoss hinzugefügt.

Der älteste Teil war ein massiver Steinbau, dessen Giebel nach Westen zeigte in den ein Wappenstein eingemauert war Diesen ziert das Wappen des Eichstätter Bischofs Martin von Schaumberg und trägt die Jahreszahl 1580. Dendrochronologische Untersuchungen haben dieses Alter später bestätigt. Die Außenmauern und der Dachstuhl, eigentlich sind es drei zeitlich verschiedene Dachstühle blieben erhalten und werden heute sichtbar gezeigt. Das Treppenhaus wurde in Beton als „Haus im Haus“ errichtet, ergänzt durch einen Aufzug, um das Museum behindertengerecht zu erschließen. Nach außen erhielt der Bau die historische Form eines Dreiseithofes. Die Fenster wurden nach historischen Vorbildern in Eiche ausgeführt. Nach Osten hat man ein dort bestehendes Sichtfachwerk erhalten.

Auch das Dach erhielt seine historische Form aus Kalkplatten, also Legschiefer wieder, so dass ein harmonisches Nebeneinander zwischen mittelalterlicher Burg und dominantem Wirtschaftshof entstand.

Parallel dazu wurde die Inneneinrichtung geplant und mit der Einrichtung begonnen. Eine Fachfirma lieferte eigens für das Museum geplante und konzipierte Elemente, die auf das Konzept und die historische Bausubstanz Bezug nahmen. Diese Aufgabe war Herausforderung und Reiz zugleich. Vor allem im mittleren und oberen Geschoss kam dieses Ansinnen zum Tragen.

Die Ausführung des Untergeschosses musste zunächst aus finanziellen Gründen zurückgestellt werden. Gleichzeitig waren umfangreiche grafische Arbeiten zu erledigen. Vorlagen waren zu beschaffen und diese zusammen mit den reduziert gehaltenen Texten zu kombinieren. Ein wichtiges Element war die Inszenierung der Grabkammer und die Anfertigung der rekonstruierten Ausstattung.

Ein weiterer zentraler Beitrag war die Beschaffung und die Restaurierung zahlreicher Exponate für die beiden wichtigsten Epochen, welche zur Ausführung kamen. Thematisch gegliedert wurde die Römerzeit vor allem mit dem Fundstoff aus dem nahen Böhming. Die Welt der Lebenden fand dabei ebenso Berücksichtigung wie das Reich der Toten. Bedeuten war im Anschluss die unmittelbare Zeit nach den Römern, welche bisher in kaum einem Museum präsentiert wurde. Der Raum um Kipfenberg bot hier forschungsgeschichtlich eine bedeutende Rolle und lieferte interessantes Fundmaterial. Dabei konnte auch auf die ganze Region des Altmühl-Donau-Raumes ausgegriffen werden.

Bis zur Eröffnung am 15. Dezember 1999 wurde noch eine Galerie mit historischen Bildern von Kipfenberg eingerichtet Zeitlich jüngeren Themen konnten mit Exponaten in flachen Wandvitrinen bestückt werden, die in einem für Veranstaltungen vorgesehenen Raum zu sehen sind

Teil 5 der Museumsgeschichte
Eine Geschichte von Römern und Bajuwaren.

Von Karl Heinz Rieder

Natürlich war man in Kipfenberg und der Region gespannt, was auf der Kipfenberger Burgim neuen Römer und Bajuwarenmuseum zu sehen sein würde.Mit dem Tag der Eröffnung wurde das Geheimnis gelüftet.Was hatte man aus den wenigen Gefäßen, dem verkohlten Getreide und Holz, den verrosteten Eisenfunden und den paar Münzen aus dem alten Heimatmuseum gemacht?

Es war eine Abteilung um das Thema Limes, und das Kastell Böhming entstanden.Am Anfang einer Führungslinie steht die Forschungsgeschichte mit den Forschern am rätischen Limes. Bedeutend war Dr.Franz Anton Mayer der mehr als zwei Jahrzehnte Pfarrer im nahen Gelbelsee war und über seine Forschungen am Limes ein umfassendes Werk herausgab.

Diesem Einstieg folgt eine Würdigung der Reichslimeskommission, die um das Jahr 1900 mit ihrem Streckenkommissar Dr.h.c. Friedrich Winkelmann aus Pfünz erstmals intensive Feldforschung betrieb.Durch seine Ausgrabungen im Kastell Böhming wurden alte Vermutungen zu dessen Existenz bestätigt und die bedeutende Bauinschrift aus dem Jahr 181 gehoben.Neben dem Kastell fand sich das zugehörige Bad und ein kleiner Tempel.In diesem entdeckte man das Fragment eines Kalksteinreliefs mit der Darstellung des Juppiter, der Juno und des Merkur.Großes Interesse fanden die Fragmente eines Weihealtares aus dem Jahr 215 welcher der Göttin Fortuna Redux geweiht war.Offenbar hatten einige Böhminger Soldaten am Feldzug des Caracalla gegen die Germanen teilgenommen und sind unbeschadet von diesem nach Böhming zurückgekehrt. Der Innenraum des Tempels wurde im Museum inszeniert, ebenso wie die Limesstrecke um Kipfenberg. Das Kastell kann in einem eindrucksvollen Modell betrachtet werden, eben so ein Blick durch ein rekonstruiertes Kastelltor ins Innere desselben.In einer Vitrine sind Exponate zu sehen, mit denen die Römer bauten, alles Originale.

Eine weitere Inszenierung widmet sich dem Thema Straße dessen Netz von höchster Bedeutung im Imperium war.Im nächsten Raum erfährt man wissenswertes zum Gräberfeld von Böhming und zu anderen Nekropolen der Region. Es folgen Vitrinen zu den Themen Krieg und Militär, Nahrungserzeugung,sowie Handel und Verkehr, worunter Münzen, Schrift und fremde Waren wie Terra Sigillata und Glas eine wichtige Rolle spielten.Schmuck und Körperhygiene werden ebenso behandelt wie germanische Funde eine Blick auf die Menschen erlauben, die hier lebten.

In der zweiten Hälfte des geteilten Raumes wird die Entwicklung der politischen und der Siedlungsverhältnisse nach dem „Limesfall“ um die Mtte des 3. Jhdts, inszeniert.Wichtig ist dabei die neue Reichsgrenze, die Donau,Wo sich die Römische Militärpräsenz im Süden und die germanischen Siedler im Norden gegenüberstehen Der Kipfenberger Michelsberg spielte dabei vielleicht als Gauburg eine wichtige Rolle.

Schon im nächsten Raum eröffnet sich ein Blick auf den archäologischen Fundstoff aus den germanischen Siedlungen unseres Raumes. Sie bildet die thematische Hinführung zum Kriegergrab von Kemathen..Die hölzerne Grabkammer selbst wird lebensecht  im Zustand der Grablegung präsentiert. Abschluss un Höhepunkt bilden die Originalfunde aus der Grabkammer, deren Einzelteile in zahlreichen Informationstafeln erklärt werden

Teil 6 der Museumsgeschichte
Die ersten 5 Jahren – das Museum wird mit Leben gefüllt

von Juliane Schwartz

Die Ausstellung stand, der Kultusminister hatte eröffnet, der römische Würzwein war getrunken, die Presse war begeistert – jetzt musste das Museum mit Leben gefüllt werden! Angebote für Besuchergruppen von Kindergarten bis Senioren, Kaffee und Kuchen für schlappe Wanderer, Bücher und Souvenirs für Wissbegierige, Kulturprogramm, Sonderausstellungen, Museumsfest – Ideen gab es zahlreiche und die sollten schnellstmöglich umgesetzt werden.
Und das ist dann auch passiert: Dezember 99 eröffnet, ab Januar 00 Museumsführungen, ab Februar 00 Kindergeburtstage, Mai 00 das erste Museumsfest mit historischen Darstellern, ab Juni 00 die ersten Schulklassenprogramme, seit Herbst 00 geführte Wanderungen, im Winter 00 ein erstes Konzertprogramm und die ersten Anfragen für private Feierlichkeiten im Saal.
Das erste Jahr ging wie im Flug vorbei und danach ging es für die ersten paar Jahre in einem unfassbaren Tempo weiter.
19 Sonderausstellungen in den ersten 5 Jahren wurden verwirklicht, die meisten davon in Eigenregie mit lokalen Künstlern und Kulturschaffenden!
Das Museumsteam wuchs auf 9 Leute an, allein seit 2003 war die jetzige Museumsleiterin Claudia Stougard engagiertes Mitglied des Teams.
Die Besucherzahlen konnten die Fixkosten des Hauses nicht decken und trotz des großen Engagements aller Beteiligten wurde klar, dass die erhofften Zahlen nicht realisierbar waren.
Eine Erweiterung der Öffnungszeiten, noch mehr besondere und außergewöhnliche Ereignisse und eine kräftige Besucherorientierung sollten da weiterhelfen. Museumsarchitekten rechnen ja nicht wirklich mit Besuchern und ihren Bedürfnissen und so wurde in Eigeninitiative kräftig umgebaut und erweitert, um für unsere Gäste eine Atmosphäre des Willkommens zu schaffen.
Die Sanitärräume wurden gefliest, Lagerräume unter der Treppe geschaffen, das Amphitheater gebaut und im Keller ein Museumspädagogikraum eingerichtet. Hier zeigte sich zum ersten Mal das kreative und organisatorische Talent von Frau Stougard, das ich in den nächsten Jahren schamlos auszunutzen wusste.
Nach fünf harten Jahren mit stetig steigenden Besucherzahlen wurde uns auf sämtlichen Treffen mit Museums- und Tourismusfachleuten bescheinigt, dass wir als Musterbeispiel für extremes ehrenamtliches Engagement staunend beobachtet werden: Ein großes Museum mit einem vielseitigen Angebot überlebt ohne jeden Etat.
Wie lange wir das schaffen würden, war uns allerdings (noch) nicht klar! Denn jedes Jahr musste ein fünfstelliger Betrag von den drei Museumsgründern Schuck, Schwartz und Rieder zugeschossen werden, um die Fixkosten zu decken.

Teil 7 der Museumsgeschichte
Es geht weiter – das verflixte 7. Jahr im Römer und Bajuwaren Museum

Von Juliane Schwartz

2005 wurde der Limes zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt – ein langer Traum aller Beteiligten ging in Erfüllung und damit verbunden natürlich die Hoffnung auf einen satten Aufschwung der Besucherzahlen in Limesmuseen und auf einen warmen Geldregen aus den Ministerien für Wirtschaft, Tourismus, Kultur und was auch immer!

 
  

Christoph Würflein hatte einen Plan in der Schublade für ein regionales Informationszentrum mit touristischem Schwerpunkt und nutzte zusammen mit mir, dem Trägerverein und dem Förderverein die Gunst der Stunde: 80 000 Euro konnten investiert werden und flossen nach Kipfenberg, denn wir waren bereit, die Räume zu stellen, viel ehrenamtliche Arbeit zu investieren, die Betreuung zu garantieren und mit dem Projekt „Römer auf Zeit“ völlig neue Wege der erlebnisorientierten Wissensvermittlung zu gehen.

In kurzer Zeit erarbeiteten Martina Bach vom Naturpark Altmühltal und ich ein Konzept, schrieben Texte und erschufen das Mitmachangebot für Familien im Römerlager inklusiv Kostüme, Zelte, Geschirr und museumspädagogischem Rahmenprogramm.

Die Katholische Universität Eichstätt beteiligte sich mit einem Studentenprojekt an Ausstellung und einem Begleitprogramm für Schulklassen. Das seitdem meistgebuchte Programm „Bei Jupiter und Fortuna“ stammt aus diesem Gemeinschaftsprojekt.

Mit der Eröffnung 2006 kam der erhoffte Besucheraufschwung, allerdings nicht so stark, daß die Finanzierung auf stabile Füße kommen konnte. Deshalb war es Ende 2007 soweit – ich reichte die Kündigung meines Pachtvertrages ein und der Verein beantragte bei der Gemeinde Kipfenberg Unterstützung für das Museum. Die Verhandlungen zogen sich insgesamt 1 Jahr hin und in dieser Zeit machte ich halt mal weiter, denn wir wollten da Museum auf keinen Fall schließen und damit Tatsachen schaffen.

Glücklicherweise entschied sich der Gemeinderat für eine Unterstützung und finanzierte ab 2008 einen Teil der Kosten des Hauses und gab einen Etat von 1000 € pro Monat zur Finanzierung des Personals.

Mit neuem Schwung starteten wir wieder durch: Das neu geschaffene Museumscafé im Foyer war für die Besucher wesentlich attraktiver als das Provisorium vorher. Es wurde mit großzügiger Hilfe der Brauerei  

Gutmann realisiert, die immer starkes Engagement für kulturelle Themen in der Region zeigen.

Im Zeitraum 2005 bis 2010 wurden neun Sonderausstellungen gezeigt, dabei auch die erfolgreichste Ausstellung in der Geschichte des Museum, wie ich vorausgreifend sagen darf: Edda Hutter und Evi Kammermeier konzipierten witzig und frech „Das Unaussprechliche – Leibwäsche und weibliche Hygiene des 19. Jahrhunderts“. Diese Schau wurde stark besucht, viel besprochen und mehrfach an andere Museen ausgeliehen! Ein toller Erfolg und die einzige Ausstellung, die sich selbst refinanzieren konnte.

Die Prähistorische Staatssammlung überließ uns im Jahr 2010 die langersehnten Gebeine des Kriegers von Kemathen, des zentralen Museumsexponats.

Förder- und Trägerverein stellten eine Finanzierung auf die Beine und im September 2010 konnte zum 10jährigen Museumsjubiläum die Vitrine mit dem Skelett präsentiert werden.

Die Zukunft des Römer und Bajuwaren Museums stand endlich auf soliden Füßen einer neuen Partnerschaft mit der Marktgemeinde Kipfenberg und der Kooperative „Infopoint Limes“ mit dem Naturpark Altmühltal und dem Landkreis Eichstätt. Wir wurden überregional stark beachtet mit  dem innovativem Erlebnisangebot „Römer auf Zeit“, unseren hervorragenden Museumsprogrammen für Schulklassen und dem konzeptionell und darstellerisch herausragenden jährlichen Museumsfest.

Die nächsten 5 Jahre konnten kommen!